Sonntag, 8. Januar 2017

Es sollte sein letztes Buch werden: "Wer wir waren. Zukunftsrede"

Buchtipp: Roger Willemsen

Er hatte vor seinem Tod daran gearbeitet. Aus der Zukunft wollte er die Gegenwart betrachten und unsere Versäumnisse und Fehler dabei analysieren. Er hat es nicht mehr geschafft. Im Sommer 2015 bremste ihn die Krankheit aus. Und im Februar 2016 beendete sie sein intensives Leben. Wir behalten ihn in Erinnerung als Schriftsteller, Honorar-Professor, Moderator, Regisseur, Fernseh-Produzent... ein geistvoller und kritischer Zeitgenosse.

Im Juli 2015 hielt er eine letzte Rede auf Gut Landsdorf in Mecklenburg-Vorpommern. Damit stellte er quasi die Konzeption zu seinem Buchvorhaben dar, die komprimierten Gedanken mit Leidenschaft und Überzeugung vorgetragen.

Gedankensplitter daraus:
- "Wir wussten viel und fühlten wenig." (S. 26)
- "Das Gefühl ist ein schlechter Ratgeber ... als ob der gesunde Mernschenverstand ein besserer wäre." (S. 27)
- "Unsere Existenzform ist die Rasanz." (S. 33)
- "Ein Lust-Reiz ist noch kein Urteil, ein Unlust-Impuls keine Kritik." (S. 48)

Dank an meine Frau Angelika, die mir das Büchlein zu Weihnachten geschenkt hat.

G. Dietmar Rode
Blogger

Donnerstag, 5. Januar 2017

Weitergeleitet

Mohssen Massarrat ist emeritierter Professor
für Politik und Wirtschaft am Fachbereich
Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück
mit den Forschungsschwerpunkten Mittlerer und
Naher Osten, Energie, ...Wikipedia
Offener Brief an den deutsch-iranischen Schriftsteller Navid Kermani

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freundinnen und Freunde,

anbei erhalten Sie zum Jahresbeginn meinen offenen Brief an den deutsch-iranischen Schriftsteller Navid Kermani. Er hatte am 24.12.2016 in einem Deutschlandfunk-Interview die Friedensbewegung anlässlich des Kriegseinsatzes von Russland und Iran kritisiert, zu Unrecht wie ich meine. 

Navid Kermani ist mittlerweile in Deutschland eine moralische Instanz, dessen Wort daher auch großes Gewicht beigemessen wird. Deshalb ist es m. E. unerlässlich, dass seine Kritik an der Friedensbewegung eine kritische Bewertung erfährt, Sie können, wenn Sie wollen, diese Stellungnahme an geeignete Adressen weiterleiten.

Mit den besten Wünschen für das Jahr 2017 und
herzliche Grüsse

Mohssen Massarrat

Und hier kann der offene Brief gelesen werden.

Samstag, 10. Dezember 2016

Abendland und Morgenland

Eine vorweihnachtliche  Bildungsempfehlung

Hohenems (Vorarlberg, Österreich) zur Flüchtlingsfrage
Foto: R. Heinrich
Zu den wichtigen Büchern des (christlichen) Abendlands gehört ohne Zweifel das Alte Testament.
Darin wird berichtet, wie Asylsuchende aus der Gegend, die heute Syrien heißt - und auch während des Römischen Weltreichs als Syrien bezeichnet wurde ("... als Cyrenius Statthalter in Syrien war ...", Luk. 2.24.2) - nach Ägypten kamen. 

Ursprünglich wollten sie in großer Hungersnot nach einer Missernte im fruchtbaren Ägypten nur Getreide kaufen - letztendlich fanden sie Asyl. "Diese Wirtschaftsflüchtlinge!" Und sie bleiben über mehrere Generationen. Freilich war ihnen das Land Goschen, ein Weidegebiet, zugewiesen, denn: 
Dann sagte Josef zu seinen Brüdern und ihren Familien: "Ich gehe jetzt zum Pharao und werde ihm sagen: 'Die ganze Familie meines Vaters, die im Land Kanaan lebte, ist zu mir gekommen. 32 Die Männer sind Schafhirten, Viehzüchter seit eh und je. Sie haben ihren ganzen Besitz, ihre Schafe, Ziegen und Rinder mitgebracht.' 33 Wenn der Pharao euch dann zu sich rufen lässt und euch nach eurer Tätigkeit fragt, 34 sagt ihm: 'Deine Sklaven sind von Jugend an Viehzüchter gewesen wie unsere Vorfahren.' Dann könnt ihr hier im Land Goschen bleiben. Den Ägyptern sind Kleinviehhirten nämlich ein Gräuel."  (1. Mose 46. 31ff)
Klar, dass den Ackerbauern die Viehherden "ein Gräuel" sind, wenn sie die Saat abfressen. Das ist konkret und das ist nachvollziehbar. Nicht von Belang war die Frage nach eventuellen Göttern.

Und das unterscheidet die damaligen Ägypter von den heutigen "Besorgten", deren geistige Verdunkelung ihnen ein "Abendland" vorgauckelt, das sie im Grunde gar nicht richtig kennen. Aber es wird ihnen mancherorts auf die Sprünge geholfen. Hier - im Bild - in Hohenems, wo auch ein Jüdisches Museum ist. Sicherlich auch so ein "Gräuel" - für die besorgten Abendländler ...

Dienstag, 6. Dezember 2016

Wie heute Wahlkampf läuft

Plakatkleber aller Länder, verpisst Euch? Zur Diskussion:


Zitate aus dem Kopf und aus dem Text (eingerückt):

"Unser Programm wird Wähler überzeugen" (Bundesvorstand)
Eine Botschaft für alle -
geht das noch?

«Trump agiert wie ein perfekt opportunistischer Algorithmus, der sich nur nach Publikumsreaktionen richtet», notiert bereits im August die Mathematikerin Cathy O’Neil.

"Das Internet geht mir am Arsch vorbei" ("Chefin", d.h. Ehefrau eines früheren Ortsvorsitzenden)

Die sogenannte Conversion-Rate, also wie stark Leute – nachdem sie die persönlich zugeschnittene Werbung gesehen haben – auch danach handeln, also einen Kauf tätigen oder eben wählen gehen, steigerte sich um unfassbare 1400 Prozent.

"Wissenschaft? Wir entscheiden politisch."(ein linker Stadtrat in Dresden)

Kosinski antwortet auf die Entwicklungen mit der schärfsten Waffe, die einem Forscher zur Verfügung steht: mit einer wissenschaftlichen Analyse.

Muss uns das interessieren? (verschiedentlich gehört)

Facebook erwies sich als die ultimative Waffe und der beste Wahlhelfer, wie ein Trump-Mitarbeiter twitterte. Das dürfte beispielsweise in Deutschland der AfD gefallen, die mehr Facebook-Freunde hat als CDU und SPD zusammen.
Für den ganzen Text bitte die Überschrift (Plakatkleber ...) anklicken.

Montag, 5. Dezember 2016

einartysken: Das Jahr, in dem der Globalismus platzte

Wie es dem Kapitalismus gerade so geht 

Eine interessante Analyse - hier nachzulesen:

einartysken: Das Jahr, in dem der Globalismus platzte:
Pål Steigan 29. November 2016 Aus dem
Norwegischen: Einar Schlereth Historische Wendepunkte sind oft schwer zu bemerken, wenn sie...

Freitag, 18. November 2016

Radio-Tipp: DAS KAPITAL (2/6) (Radio am Sonntag - noch vor dem Gottesdienst!)

Essay und Diskurs DAS KAPITAL (2/6)

Politische Ökonomie im 21. Jahrhundert - über Aktualität und Grenzen der Marxschen Theorie

Von Wolfgang Streeck
(Teil 3 am 27.11.16)
Vor 150 Jahren erschien 'Das Kapital' von Karl Marx - eine Deutschlandfunk-Sendereihe untersucht seine Brauchbarkeit für das Verständnis unserer Gegenwart. Globalisierung, Automation, Finanzcrash, Klima, Armutsrevolten, Wachstumsschwäche - die multiple Krise der Weltwirtschaft, die wir durchleben, nimmt kein Ende. Warnungen über die explosiv wachsende Ungleichheit und Mutmaßungen über das 'Ende des Kapitalismus' werden schon längst nicht mehr nur von stehengebliebenen Sozialisten, sondern unter den Eliten der Weltwirtschaftsgipfel diskutiert. Grund genug, 'Das Kapital' noch einmal gründlich zu lesen. Sechs Autoren - Soziologen, Publizisten, Politiker, Philosophen - haben das für den Deutschlandfunk getan. Ausgehend von jeweils einem Kapitel des Werkes ziehen sie in 'Essay und Diskurs' Linien in die Gegenwart und denken über Aktualität und Grenzen der Marxschen Theorie nach - nicht marxologisch, nicht akademisch, sondern um ihre Brauchbarkeit zu untersuchen, und das durchaus subjektiv, essayistisch und mit Gegenwartsbeobachtungen durchsetzt. Ihren Blick richten sie auf die politischen Möglichkeiten der Gegenwart, denn darauf, so Marx, kommt es an: die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie zu verändern. Wolfgang Streeck schreibt über die Geschichte der Arbeit und analysiert das Verhältnis von Kapitalismus und Gewalt. Er ist Soziologe und Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Im Frühjahr 2017 folgen zwei weitere Essays in der Sendereihe, die auch als Buch im Verlag Antje Kunstmann erscheint.