Sonntag, 25. Juni 2017

Wie funktioniert Manipulation? - wissenschaftlich beleuchtet

Prof. Rainer Mausfeld erklärt, warum Wähler wählen, wie sie wählen - solange sie "das Übliche" angeboten bekommen

Eine Stunde und 44 Minuten spannender Vortrag über bekannte Tatsachen, die dank blockierter Vermittlungsmechanismen den Weg nicht in den öffentlichen Raum finden

  • "Meinungsmanagement ist kostengünstiger als Gewalt" 
  • 1920 - 1930 "explodierten" die Sozialwissenschaften mit dem Ziel, die Arbeiterbewegung zu zersetzen
  • M. Thatcher: "Man muss die Idee einer soldarischen Gesellschaft zum Verschwinden bringen."
  • "Repräsentative Demokratie" als Mittel ´zur Schaffung (demokratisch nicht legitimierter) Machtstrukturen, (min 40:00)
    • nicht mehr abwählbar,
    • dem Wähler gar nicht mehr zugänglich,
    • jeder Rechenschaftspflicht entzogen,
    • öffentlich unsichtbar (im öffentlichen Diskussionsraum),
    • zunehmend verschmolzen mit staatlichen Organissationsstrukturen
  • Der Höhepunkt: "Der Neoliberalismus hat sich staatliche Strukturen zur Beute gemacht und mit den Mitteln des Staates Konzerne und Reiche einer öffentlichen Kontrolle entzogen und sie von Beiträgen zu Gemeinschaftsaufgaben befreit." (min 41:44)
  • Warren Buffet (2006): "Es herrscht Klassenkrieg, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen."  (min 48:27)
  • Regelmäßig wahlentscheidend (anhörenswert, min 57:40) : " ... unsere Neigung zum Status Quo, auch wenn Alternativen eindeutig besser sind"
  • "Der Erfolg des Kapitalismus beruht, öko0nomisch formuliert, auf einem Marktversagen." (h1:05:16) => "Externalisierung der tatsächlichen Kosten" 
    • "Erfolg der Industrieländer beruht auf Raubbau." 
  • "Unser Wort-Aberglaube: Wir nennen amerikanische Milliardäre Philanthropen - russische aber Oligarchen, obwohl beide eigentlich durch Betrug am Gemeinwesen zu ihrem Reichtum gekommen sind." (1:11:00)
  • Joseph Keppler (1889!): "Die Volksvertreter in einer repräsentativen Demokratie sind doch nur das Personal der eigentlichen Entscheider." (1:13:45) - "... die politisch organisierte Verantwortungslosigkeit ..."
  • "Institutionalisierte Korruption: Das Wort Lobbyismus ist eigentlich verniedlichend." (1:41:45)
  • "Obwohl wir mit den Folgen der neoliberalen Alternativlos-Politik tagtäglich konfrontiert sind,  erteilen wir immer noch einer zirkulierenden Elite bei Wahlen die Legitimation, unter dem Banner des Gemeinwohls ihre Interessen auf unsere Kosten zu verfolgen."(1:38:30)

Video am Besten  in separatem Fenster als Vollbild ansehen, um die Details der Grafiken zu erkennen!

Donnerstag, 11. Mai 2017

Warum wählen Migranten in NRW die AfD?

Einfach mal zuhören!



Noch eine Erklärung:

"Warum also so viele Deutsch-Türken für Erdogan gestimmt haben? Einfach, weil sie es können. Und weil sie wissen, dass die Deutschen es scheiße finden würden. Diese Analyse klingt zu kurz gegriffen, zu plump formuliert, doch steckt darin zumindest ein Teil der Wahrheit."
Zum vollständigen Text.

Samstag, 6. Mai 2017

In Gottes eigenem Land. Schauspiel von Olaf Hörbe nach dem Roman von Eberhard Görner


Ein besonderer Beitrag der Sächsischen Landesbühnen zum Reformationsjubiläum 2017

Auch bei der gestrigen, dritten Aufführung war der Theatersaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Handlung bezieht sich auf das 18. Jahrhundert, in dem zehntausende Menschen, auch aus deutschen Ländern, wegen Armut und Hunger, religiöser und politischer Verfolgung oder Abenteuertum ihre Heimat verlassen, um ihr schicksalhaftes Glück in Amerika zu finden.

In den historischen Stoff werden Leben und Werk des lutherischen Predigers Heinrich Melchior Mühlenberg (1711 - 1787) eingebunden. Gemeinsam mit deutschen Siedlern hat er sich den Gefahren des Meeres ausgesetzt und kommt in einer neuen Welt des Krieges und der Vernichtung an. Britten und Franzosen bekämpfen sich erbarmungslos. Die indianischen Ureinwohner werden in betrügerischer Weise ausgenutzt und aufeinander gehetzt. Die Deutschen stehen mittendrin in den tödlichen Widersprüchen. Religionsgemeinschaften und Fanatiker buhlen um die Gunst der verwirrten Menschen. Die neue amerikanische Demokratie entwickelt sich in einer ausgesprochen komplizierten Zeit. Der Ruf nach Frieden beherrscht das abschließende Bühnenbild, bei dem sich allegorisch in die Volksmenge auch Menschen mit modernen Rettungswesten mischen.

Die nach meiner Meinung sehr gelungene Inszenierung wurde vor allem durch die Zusammenarbeit von Künstlern, Historikern, politischen Institutionen und Ausbildungsstätten sowie Kirchenvertretern in Deutschland und Amerika möglich. Berufs- und Laienschauspieler sowie professionelle und Volkschorsänger ergänzten sich beispielhaft. Dass der ehrenwerte DDR-Indianer Gojko Mitic den Delawaren-Häuptling Fliegender Pfeil spielte, wird viele Radebeuler und Gäste besonders gefreut haben.

G. Dietmar Rode

www.landesbuehnen-sachsen.de

Samstag, 22. April 2017

Warum Trump nicht nur schlecht ist:

Wie Trump das Ende des Kapitalismus vielleicht nicht begreift, aber doch immerhin zu fühlen scheint

von Reinhard Heinrich

Klar. Niemand ist völlig unnütz. Er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen. Aber Trump kann mehr.

Der US-Präsident Donald Trump hat eine Anordnung unterschrieben, die es ehemaligen Beamten der Regierung untersagt, Lobby-Arbeit für andere Staaten zu betreiben. Und zwar für den Rest ihres Lebens. Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Politik. Außerdem sieht der Erlass eine fünfjährige Beschränkung für das allgemeine Lobbying gegenüber anderen Interessengruppen vor. Darüber berichtet Associated Press (Primärquelle).
(zur sekundären Quelle)
Der Redakteur eines in Dresden wohlbekannten Blattes meinte dazu:
Ein Lobbyverbot für Leute, die schon bei Amtsantritt alle MIlliardäre sind, ist ja auch kein Kunststück.

Ein Hauch marxistischer Bildung lässt dies jedoch in einem differenzierteren Lichte erscheinen:

Gerade die "Milliardäre" aber haben panische Angst, über Nacht zu verarmen - zum Millionär zum Beispiel. Das ist kein Witz. 
Mit dem seit Marx bekannten tendenziellen Fall der Profitrate bringen die (natürlich prinzipiell profitabel
Besorgte Anleger 1929 vor der New Yorker Börse
Foto: AP/Bundeszentrale für politische Bildung
angelegten
) Milliarden stetig weniger Profite. Das heißt, der nominale Wert ihrer (in Beteiligungen wie Aktien etc.) angelegten Milliarden verlieren auch in den Augen anderer Anleger an (geglaubten!) Gewinnerwartungswert - präzise ausgedrückt im Börsenkurs der Beteiligungen. Und wenn aus einem vermeintlich erfolgreichen Riesenkonzern ein Haufen Schulden wird - dann werden aus Milliarden über Nacht Millionen (ausschlachtbare Restsubstanz => Hedgefonds). Und der Kleinanleger verliert natürlich auch (eingebildeten) Wert - und damit real Verkaufswert seiner Beteiligung, da der Wert des Geldes bekanntlich eine reine Glaubenssache ist..


Freitag, 27. Januar 2017

Filmempfehlung



Der junge Karl Marx

Liebe Genossinnen und Genossen,

auf der Berlinale wird der Film „Der junge Karl Marx“ gezeigt und geht anschließend ab 2.März. in die Kinos.

Den Trailer könnt ihr hier angucken:
https://www.youtube.com/watch?v=zc0OTOJC00A
Die Facebook-Seite: https://www.facebook.com/derjungeKarlMarx/?fref=ts
Wir denken, dass der Film – ganz im Sinne der Disput-Beilage zur kulturellen Hegemonie unterm Weihnachtsbaum – geeignet ist, das linke kulturelle Umfeld zu erweitern.

In der Anlage gibt’s eine Liste mit den Orten und Kinos, wo der Film anläuft (angekreuzt). Bitte guckt mal, welches Kino an eurem Ort für euch interessant ist.
Wir haben mit dem Filmverleih besprochen, dass in ca. 50 Kinos eine Patenschaft organisiert werden soll, z.B. mit Promis oder linken Bewegungsmenschen, z.B. durch eine Ansprache oder  Aktion vorm Kino oder eine Einladung zum anschließenden Kneipenbesuch oder oder…

Sonntag, 15. Januar 2017

Zum Gedenken

Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet


PAUL CELAN

DU LIEGST im großen Gelausche,
umbuscht, umflockt.

Geh du zur Spree, geh zur Havel,
geh zu den Fleischerhaken,
zu den roten Äppelstaken
aus Schweden –

Es kommt der Tisch mit den Gaben,
er biegt um ein Eden –

Der Mann ward zum Sieb, die Frau
mußte schwimmen, die Sau,
für sich, für keinen, für jeden –

Der Landwehrkanal wird nicht rauschen.
Nichts
         stockt.
"Ich nahm damals [Januar 1919] an einer KPD-Versammlung teil, an der Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sprachen. ich gewann den Eindruck, die beiden seien die geistigen Führer der Revolution, und ich beschloss, sie umbringen zu lassen. Auf meinen Befehl wurden die beiden aufgegriffen. man musste den Entschluss fassen, vom Rechtsstandpunkt abzuweichen ... Dieser Beschluss zur Beseitigung der beiden ist mir nicht leicht gefallen ... Ich vertrete auch weiterhin die Auffassung, dass dieser Entschluss auch vom moralisch-theologischen Gesichtspunkt durchaus vertretbar ist."
Hauptmann Waldemar Pabst, Generalstabsoffizier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division
Zitiert nach: Jörn Schütrumpf (Hrsg.): Rosa Luxemburg oder: Der Preis der Freiheit. Karl Dietz Verlag Berlin, 2006, S. 8